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Aufgrund seiner Philosophie und seiner Persönlichkeit gehört Hans
Jonas zu den faszinierendsten Denkern dieses Jahrhunderts. Er hat die
ökologische Bedrohung und ihre philosophische Bedeutung sehr früh
erkannt.
Durch sein Nachdenken über die Verantwortung für "eine
Weiterwohnlichkeit der Welt und ein menschenwürdiges Fortleben unserer
Gattung" ist er - über die Grenzen der Nachwelt hinaus - zum Protagonisten
einer Ethik der ökologischen Krise geworden.
Dieser Band stellt Beiträge von und über Hans Jonas vor, die sich
mit den drei großen Phasen seines Denkens befassen: die erste ist
charakterisiert durch sein monumentales Werk über die Gnosis; die zweite
durch seine Studien über die Ontologie des Organischen, die dritte durch
seine Ethik der Verantwortung für die Zukunft der Menschheit. Hans Jonas
selbst begegnet uns in diesem Buch als Dialogpartner im ethischen und
religionsphilosophischen Diskurs wie auch als Redner. Seine letzten beiden
öffentlichen Ansprächen in Udine und in Berlin bilden Anfang und
Ende dieses Buches. Schwerpunkte darin sind Mitschriften von Gesprächen
und Diskussionen mit ihm.
Jonas weist auf die selbstverschuldete Unmündigkeit des Menschen als
Hüter der ihn umgebenden Natur und seiner eigenen Moralität hin.
Diese Unmündigkeit hat dazu geführt, daß der menschliche
Geist als Instrument des so gefräßigen wie kurzsichtigen Leibwesens
Mensch eingesetzt wird: "im Dienste des Leibes plagt der Geist die Natur."
Auf verhängnisvolle Weise wird die ethische Vernunft dem technischen
Verstand untergeordnet. Dieser Selbstinstrumentalisierung des Geistes entsprechen
ein selbstgenügsamer Fortschritt der Hochtechnologie und eine
verantwortungsfreie Dynamik in der Marktgesellschaft. Hand Jonas läßt
es mit der Diagnose nicht sein Bewenden haben. Seine Ethik für die
technologische Zivilisation begründet eine kritische Orientierung des
technischen Fortschritts, der Marktgesellschaft und des persönlichen
Verhaltens an dem Prinzip der Zukunftsverantwortung.
Den Entwurf dieses Buches hat Hans Jonas noch mit dem Herausgeber besprochen,
sein erscheinen konnte er nicht mehr erleben: am 5. Februar 1993 ist der
Philosoph in seinem Haus in New Rochelle gestorben. Die Stimme von Hans Jonas
ist verstummt, der Dialog mit ihm geht weiter. Dieses Buch, das sich auf
die deutschsprachige Diskussion der letzten Jahre konzentriert, zeigt, mit
welcher Intensität und Breite der Diskurs mit ihm geführt wird.
Der Herausgeber: Dietrich Böhler ist Professor für Philosophie
an der Freien Universität Berlin. Mit Beiträgen von: Hans Jonas,
Karl-Otto Apel, Dietrich Böhler, Carsten Colpe, Vittorio Hösle,
Hans Lenk, Reinhard Löw, Michael Theunissen, Walther C.H. Zimmerli,
Wolfgang Kuhlmann, Martin Meyer, Mischka Dammaschke, Horst Gronke, Matthias
Lutz-Bachmann, Dietrich Braun, Albrecht Wellmer, Eike Gebhardt, Micha H.
Werner, Thomas Rusche, Jens Kurreck, Friedrich Martin Gemmel u.a. Dem Band
beschließt eine Bibliographie der Schriften von Hans Jonas und der
Literatur zu seinem Werk.
Weitere Publikationen:
Die
Schriftenreihe von EWD Ethik und Wirtschaft im Dialog
Einzelstudien
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