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Kuratorium Hans Jonas-Edition

Mrs. Eleonore Jonas, Staatsministerin a.D. Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher, EKD Ratsvorsitzender Bischof Dr. Wolfgang Huber, Bischof Dr. Karl Kardinal Lehmann, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Ministerpräsident a. D. Dr. h.c. Erwin Teufel

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Bundespräsident a.D. Dr. h.c. Johannes Rau †, Dr. h.c. Paul Spiegel sel. A.

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Verlagsmitteilung
Bd. I/1 der Kritischen Werkausgabe

Erfreut zeigen wir Ihnen das Erscheinen des ersten und umfänglichsten Bandes der Kritischen Gesamtausgabe der Werke eines der bedeutendsten Denker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an: Hans Jonas.

Organismus und Freiheit. Philosophie des Lebens und Ethik der Lebenswissenschaften

Download:
Buchumschlag Band I/1 (pdf)
Inhaltsverzeichnis Band I/1 (pdf)
Verlagsmitteilung (pdf)

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Editionsplan (pdf)

Die hier erstmals in ihrem systematischen Zusammenhang präsentierte "Philosophie des Lebens" hat der deutsch-amerikanische Denker nicht allein als Kernstück seines weitgespannten, von der Religionsphilosophie über die phänomenologische Ontologie zur Verantwortungsethik reichenden, Schaffens angesehen, sondern auch als Grundlage seiner Ethik. In diesem Sinne präsentiert der vorgelegte Band die Verbindungslinien von Jonas' Ontologie des organismischen Daseins zur normativen Ethik des Lebens, insbesondere zum moralphilosophischen Diskurs über die modernen Lebenswissenschaften bzw. die High-Tech-Medizin. Dr. Gronke und Professor Böhler haben für den Band diesen, für den Einband dann gekürzten, Klappentext vorgeschlagen:

"In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs, als Soldat der Jewish Brigade Group gegen Nazideutschland kämpfend, skizzierte Jonas Grundgedanken einer "philosophischen Biologie". 1949 nach Kanada und 1955 nach New York berufen, entwickelte er - auf dieser Basis - in jahrzehntelanger Arbeit eine phänomenologische Ontologie des Lebendigen, welche die Philosophie des Organismus und die Philosophie des Geistes umgreift. Nach verschiedenen Teilveröffentlichungen erscheint 1966 das englische Buch, dessen deutsche Neubearbeitung Jonas dann 1973 unter dem sprechenden Titel "Organismus und Freiheit" veröffentlicht.

Dieser Neuansatz - Jonas hat das Buch als sein bedeutendstes und als Grundlage seiner Ethik angesehen - bezweckt nichts Geringeres als eine Aufhebung des dualistischen Rahmens der neuzeitlichen Philosophie. Die ontologische Existenzweise des Organismus auf dem Entwicklungspfad zur Freiheit erschließt Jonas in doppelter Frontstellung: gegenüber der Spaltung des Seins in Leib und Seele, Mensch und Welt, aber auch gegenüber den monistischen Reduktionen des Seins - insbesondere vom Materialismus bis hin zur Allgemeinen Systemtheorie. Dabei zeigt er, daß der Organismus auf differenzierte Weise jene Wirklichkeitssphären vereint, welche in der abendländischen Metaphysik und ihrer Wirkungsgeschichte einschließlich Heideggers und der modernen Hirnforschung vorwiegend als getrennt gesehen werden: Notwendigkeit und Freiheit. In kritischer Anknüpfung an Hegel und Whitehead legt er dar, daß der Evolution des Materiellen und des Organischen eine Zweckursache zugrundeliege, nämlich die Entwicklung zu freiem und verantwortungsfähigem Geist.

In dem hier vorliegenden ersten Band der Kritischen Gesamtausgabe wird das Werk textkritisch sowie kontextbezogen kommentiert. Zudem präsentiert dieser Band Jonas' ethische Anwendungen seiner Philosophie des Lebens auf die molekulare Biologie und die hochtechnologische Medizin. Hier habe sich der Mensch sogar eine "neue Schöpferrolle" zugeeignet, deren moralische Verantwortbarkeit es kritisch zu prüfen gelte."

Neben den Texten von Hans Jonas enthält Band I/1 einen Überblick über das Gesamtwerk mit Blick auf dessen öffentliche Wirkungsgeschichte, den die Verlage von Professor Böhler erbeten haben. Da die hier versammelten Texte von Jonas vor allem Einzelveröffentlichungen sind und z. T. auf recht unterschiedliche Problemsituationen antworten, haben wir den Herausgeber dieses Bandes, Dr. Gronke, um einen einleitenden Kommentar gebeten, damit sowohl der interne Zusammenhang der Einzelstudien als auch ihre Ausstrahlung auf das "Prinzip Verantwortung" belegt werde.

Zur leserfreundlichen Erschließung sowie zur Verwertung in Forschung und Lehre ist Band I/1, neben einem Personenregister, mit einem detaillierten Begriffs- und Sachregister ausgestattet.

Wie bei jeder Edition geht es auch bei dieser ohne technische Kompromisse nicht ab. Um eine gewisse Handlichkeit des ersten Bandes zu wahren, mußten wir an dessen ursprünglichem Konzept Abstriche vornehmen. So war es nicht möglich, in Band I/1 auch Hans Jonas' "Lehrbriefe" aus dem Krieg 1944/45 an seine Frau Lore zu präsentieren, in denen er erste Gedanken seiner philosophischen Biologie entworfen hatte. Sowohl diese frühesten Dokumente als auch seine daran anschließenden ersten Studien "Organism and Freedom" werden zusammen mit der verwandten Vorlesung "Life and Organism" erscheinen: in Band II/3. Auf diese Weise konnten wir das vordringliche Ziel beibehalten, nämlich die Hauptlinien des ausgereiften, systematischen Ansatzes in ein und demselben Band vorzustellen.

1933 aus seiner Heimat und der deutschen Universität vertrieben, suchte der junge Gelehrte Jonas Forschungsmöglichkeiten und Bleibe zunächst in England, auf Rhodos, in Palästina bzw. Israel, dann in Kanada, und wurde 1955 an die ursprünglich deutsche Emigrantenuniversität, New School for Social Research (New York), berufen. Im Sinne einer europäischen Heimholung gilt es, das in drei Erdteilen entstandene, verstreute Werk des Zukunftsdenkers zusammenzubringen und den künftigen Generationen zu erschließen.

Eine so anspruchsvolle wie zeitaufwendige und kostspielige Aufgabe! Zeitaufwendiger als wir voraussehen konnten - und in den Vorbereitungsjahren immer wieder Planungsrevisionen und neue Mitteleinwerbungen erfordernd; zum Beispiel, weil die weitgespannten Recherchen unbekannte Manuskripte ans Licht brachten… Auf der inzwischen erarbeiteten Basis konnte der Ihnen jetzt vorgelegte, realistische Editionsplan festgelegt werden.

Die kritische Werkausgabe des deutsch-amerikanischen jüdischen Philosophen setzt eine breite mäzenatische Unterstützung voraus. Allein so können die jungen Wissenschaftler finanziert werden: Diese müssen die Recherchen zu Ende führen, die Manuskripte und Texte digitalisieren, vergleichen und zuordnen etc., textkritisch kommentieren und Hintergründe analysieren, dann biobibliographische Angaben zu den erwähnten Personen vorbereiten und schließlich die Register erarbeiten.

Den Sponsoren sagen Verlag und Herausgeber ebenso Dank wie den Kuratoren der Edition und dem internationalen wissenschaftlichen Beirat. Diesen wie jeden folgenden Band beschließt eine Ehrentafel derer, die das Werk mit kleineren oder großen Fördergaben ermöglicht haben bzw. ermöglicht haben werden.

Der wissenschaftliche Beirat:

Günter Altner (Berlin)
Jack Bemporad (Los Angeles)
Holger Burckhart (Köln)
Micha Brumlik (Frankfurt a. M.)
Strachan Donnelley † (New York)
Jean Greisch (Paris)
Vittorio Hösle (Notre Dame, Indiana)
Jin-Woo Lee (Keimyung, S.-Korea)
Dimitri Nikulin (New York)
Yuon Tse Lin (Taiwan)
Udo Simonis (Berlin)
Hava Tirosh-Samuelson (Arizona)
Robert Theis (Luxembourg)
Richard Wolin (New York)
Anatoliy Yermolenko (Kiew)
Tetsuhiko Shinagawa (Osaka)

Volker Gerhardt hat Band I/1 der kritischen Werkausgabe am 9. Oktober in der WELT rezensiert: Ein Jahrhundertdenker.

Dazu lesen Sie bitte die auch den Leserbrief von Dietrich Böhler: Präsentation des Jahrhundertdenkers (pdf)

Die Rezension von Volker Gerhardt ist in erweiterter Fassung erschienen  in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, hg. v. der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1-2/2011, S. 97-102 

Dazu lesen Sie bitte die Replik von Dietrich Böhler: Aktualität des Freiheitsdenkers Hans Jonas - Replik auf Volker Gerhardt (doc)

 

Weitere Informationen:

hier

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Rombach Verlag

Die kritische Hans Jonas-Edition wird vom Rombach Verlag Freiburg und der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft verlegt.

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